Seminar und Übung: Ethnographische Methoden der Gegenwart – Workshop mit Übungen für Fortgeschrittene

Seminar & Begleitkurs mit praktischen Forschungsübungen

Ethnographische Forschung hat den Anspruch, „tief“ und „dicht“ soziale Welten und Praktiken zu beschreiben, zu kontextualisieren, zu interpretieren und zu analysieren. Ein wichtiger Zugang in Kombination mit einem umfangreichen Bündel an Methoden und Praktiken ist die teilnehmende Beobachtung und dichte Teilnahme, die auch Nähe zu chaotischen Lebenswirklichkeiten mit sich bringt. So sind individuelle Herausforderungen in der Forschung nicht durch und durch berechenbar und standardisierbar, sondern ethnographisches Forschen lebt von einem kreativen Potential, beginnend mit der Formulierung von (sich entwickelnden) Forschungsfragen und der möglichen „Herstellung des Feldes“ und der Orientierung im Feld über die verschiedensten – multimodalen - Zugänge der Datenerhebung bis zu ihrer Auswertung und (möglicherweise ebenso multimodalen) Darstellung. Je flexibler also die methodischen „tools“, desto kreativer und kollaborativer das Potential, auf Forschungsumgebungen und Herausforderungen zu reagieren.

In diesem Workshop sollen die Teilnehmenden ihr ethnographisches Grundwissen um den Umgang mit multimodalen Zugängen vertiefen bzw. erweitern:

  • Welche Erhebungstechniken (Notizen, Aufnahmeverfahren, Einsatz unterschiedlicher Medien wie z.B. auch das Smartphone) ermöglichen ‚andere‘ sensorische (akustische, visuelle u.ä.) Bereiche und Arten der Wissensproduktion?
  • Über welche Modi könnte das Ethnographische über das rein Textliche hinausgehen?
  • Welche Wirkungen und Konsequenzen bringt eine Pluralisierung der Mittel und Modalitäten mit sich?
  • Und wie könnte dies in einem MA-Forschungsprojekt umgesetzt werden? Ein Ziel dieses praxisorientierten Workshops ist es, praktische, kollaborative und auch experimentelle Erhebungsstrategien zu entwickeln und auszuprobieren und sich mit den Möglichkeiten der Darstellung auseinanderzusetzen. Dabei wird es sowohl um grundlegende Fragen der Repräsentation gehen, um Kollaborationsformen und um die Frage, wie man auch sensorische Bereiche angemessen zum Sprechen, zur Darstellung bringt.

    Der Workshop wendete sich vor allem an MA-Studierende, aber auch an BA-Studierende, die mit den Grundlagen ethnographischer Methoden vertraut sind und bereits Erfahrungen mit eigenen Forschungsübungen haben und Ideen und Themenfelder und Forschungsschritte für ihre eigene Abschlussarbeit entwickeln und/oder präzisieren wollten. Sie formulierten für die erste Vorstellungsrunde:

    • Ein kleines Abstract zu Ihrem eigenen Forschungskontext, Forschungsinteressen: an welchem ethnographischen Projekt arbeiten Sie gerade / möchten Sie arbeiten?
    • Welche Methoden möchten Sie im Workshop besonders erproben und diskutieren?
    • Welches „Material“ würden Sie gerne im Workshop erarbeiten und gemeinsam diskutieren? Die praktischen Übungseinheiten umfassen z.B. Raumerfahrung, soundwalk-Praxis, Tagebucheinträge, Ferninterview über digitale Medien, teilnehmende Beobachtung auch mit mehr als menschlichen Wesen/Entitäten u.a.

    Ausgewählte Literatur (u.a.).:

    • EXPERIMENTAL COLLABORATIONS Ethnography through Fieldwork Devices Edited byAdolfo Estalella and Tomás Sánchez Criado.
    • Rubber Boots Methods for the Anthropocene Doing Fieldwork in Multispecies Worlds Nils Bubandt, Astrid Oberborbeck, Andersen Rachel Cypher (Editors).
    • Doing Sensory Ethnography. Sarah Pink.


    Poster der Studierenden

    Klicken Sie auf das Bild, um die entsprechende PDF-Datei mit interaktiven Elementen zu öffnen!
    Poster_Birte_AtmosphäreCafé_1

    „Eine Umarmung im hektischen Citytrubel”: Sensorische Forschung der Atmosphäre eines Cafés in der Innenstadt Göttingens

    von Birte Schleeßelmann

    Poster_Jost_Landwehr_Sensory-_and_Autoethnographic_Insights_at_Electronic_Music_Festivals_1

    Sensory- and Autoethnographic Insights at Electronic Music Festivals

    von Jost Landwehr